Der 2. Bezirk im Sommer ist eine eigene Welt, leise, grün, mit dem Augarten in der Mitte und dem Donaukanal am Rand. Was wir Gästen empfehlen, die in unseren Augarten-Apartments wohnen und was wir Wienern empfehlen, die noch nicht aufgepasst haben.
Die Leopoldstadt war lange das, was Wien nicht zeigen wollte. Heute ist sie eine der ruhigsten und gleichzeitig lebendigsten Ecken der Stadt. Sie hat keinen Touristen-Hotspot, der Riesenrad-Prater zählt nicht und genau das macht sie im Sommer so angenehm. Wer hier wohnt, wohnt in einem Wiener Bezirk, der noch wie ein Wiener Bezirk funktioniert.
Wir wohnen, arbeiten und vermieten seit Jahren hier. Wir kennen die Wege, die Stunden, die Ladenöffnungszeiten. Was wir Gästen im Sommer empfehlen, ist nicht das, was im Stadtmagazin steht. Es ist das, wo wir selbst am Samstag stehen.
Karmelitermarkt, Samstag vor zehn
Der Karmelitermarkt ist im Sommer der Mittelpunkt des Grätzls. Standler von früh, Kaffees ringsherum, eine Mischung aus Marktbesucher:innen, Familien, Stammgästen, Touristen. Es ist nicht der Naschmarkt, kleiner, weniger inszeniert, deutlich angenehmer.
Wir gehen am liebsten samstags zwischen halb neun und zehn. Vorher schläft das Grätzl, nachher wird es voll. In diesem Zeitfenster bekommt man bei Käsemacher die guten Stücke, beim Türkischen Bäcker am Eck noch warmes Sesambrot, beim Obstständler die Erdbeeren, die er für die Stammkundschaft hinterm Tisch hat. Frühstücken kann man danach im Tewa direkt am Markt, Levante-Frühstück mit Shakshuka oder im Mochi-Eck, wenn man auf etwas Japanisches Lust hat.
Augarten, der Park, nicht das Café
Der Augarten ist Wiens ältester barocker Park, 1614 angelegt, 1775 für die Allgemeinheit geöffnet. Im Sommer ist er die Klimaanlage des 2. Bezirks. Tief grün, mit alten Kastanien, breiten Alleen, Liegewiesen, an denen niemand stört, dass man sich mit einem Buch hinlegt.
Wir empfehlen den frühen Morgen, wenn die Sonne schräg durch die Bäume kommt oder den späten Abend, kurz vor Sperrstunde. Tagsüber sitzen am Wochenende Familien, Studierende, manchmal eine Yoga-Gruppe. Es ist kein touristischer Park. Es ist ein Wiener Park, in dem man kein Foto macht.
Der Augarten ist die Klimaanlage des 2. Bezirks. Im Juli zwischen den Kastanien sind es leicht fünf Grad weniger als auf der Praterstraße.
Im Park stehen außerdem die beiden Flaktürme, zwei Beton-Monumente aus dem Zweiten Weltkrieg, die nie abgerissen wurden. Sie sind kein Touristen-Highlight, aber sie sind eine Erinnerung daran, dass dieser Park nicht nur Postkartenmotiv ist.
Porzellanmanufaktur-Café, der ruhigste Sommertisch im Bezirk
Mitten im Augarten steht das Schloss Augarten, in dem seit 1718 Porzellan hergestellt wird. Im Erdgeschoss gibt es ein Café mit eigenem Garten und dieser Garten ist im Sommer einer der schönsten Orte in Wien, an denen man drei Stunden lang nichts tun kann.
Es ist ein Ort, an dem die Tasse, aus der du den Kaffee trinkst, in der Werkstatt nebenan gemacht wurde. Das Frühstück ist solide österreichisch, der Kaffee gut, das Tempo angenehm langsam. Reservieren am Wochenende empfehlen wir.
Eissalons, drei, an denen wir uns nicht beirren lassen
Für Eis gehen wir an drei Adressen. Tichy ist klassisch wienerisch, mit den berühmten Marillenknödel-Kugeln. Veganista in der Hollandstraße macht das technisch beste vegane Eis der Stadt, Pistazie und Schokolade sind dort kein Verzicht. Eis-Greissler auf der Praterstraße arbeitet mit Milch vom eigenen Hof. Alle drei sind im Sommer voll. Alle drei lohnen sich.
Vorgartenstraße und Volkertplatz, wo Locals frühstücken
Die Vorgartenstraße zwischen Praterstern und Augarten ist eine der unterschätztesten Straßen Wiens. Antiquariate, Plattenläden, kleine Galerien, ein paar gute Bars. Im Sommer sitzen die Leute draußen, niemand hat Lederhosen, niemand fragt nach dem WLAN-Passwort.
Der Volkertplatz selbst ist unser direktes Zuhause, die meisten unserer Apartments stehen ein paar Schritte davon entfernt. Im Sommer steht hier zweimal pro Woche ein kleiner Markt, der Spielplatz in der Mitte ist gut beschattet, und am Eck gibt es zwei Cafés, in denen wir oft sitzen. Das Café Else mit gutem Filterkaffee und das Volkertplatz-Beisl für Wiener Klassik. Mehr zu unseren Apartments dort in der Augarten-Übersicht.
Donaukanal, fünf Minuten zu Fuß
Vom Augarten bist du in fünf Minuten am Donaukanal. Das ist Wiens Sommer-Wohnzimmer. Die Stadt setzt sich an die Mauer, Füße im Wasser oder fast, ein Aperol-Spritz oder ein Bier, ein Sonnenuntergang über den Kran-Spitzen des Hafens.
Unsere Lieblings-Abschnitte sind der zwischen Augartenbrücke und Schwedenplatz (mit Strandbar Herrmann) und der weiter östlich Richtung Praterstern. Im Juli gibt es dort fast jeden Abend irgendetwas. Eine kleine DJ-Session, ein Pop-up-Restaurant, eine Lesung. Es ist nichts angekündigt und nichts touristisch. Man muss einfach hingehen.
Was im Sommer im Grätzl passiert
Wir empfehlen außerdem, die kleinen Festivals im Auge zu behalten. Die Kulturlängen im Augarten, die Karmelitermarkt-Sommerabende mit Konzerten, das Open-Air-Kino an wechselnden Standorten. Nichts davon ist groß. Alles davon ist gut.
Wer länger im Bezirk wohnt, merkt. Die Leopoldstadt feiert leise. Sie verteilt ihre Sommerabende auf viele kleine Orte. Wer das einmal verstanden hat, geht nie wieder im Juli ins Stadtzentrum.