Crews funktionieren anders als Touristen. Andere Zeiten, andere Mengen, andere Prioritäten. Was wir aus zehn Jahren Hosting für Filmproduktionen gelernt haben und wie wir die nächsten zehn besser machen.
Unser erster Film-Gast war 2018. Ein Aufnahmeleiter aus Berlin, der eine Hauptdarstellerin für drei Wochen in Wien brauchte, ihr Hotelbudget war ausgeschöpft, die Produktion suchte etwas Anderes. Wir hatten gerade Augarten 7 fertig renoviert, sie zog ein. Drei Wochen wurden sechs Wochen. Aus dieser einen Anfrage sind über die Jahre zehn weitere Produktionen geworden, die regelmäßig wiederkommen.
Was wir in dieser Zeit gelernt haben. Filmcrews sind nicht wie andere Gäste. Sie reisen anders, sie arbeiten anders, sie planen anders. Und Apartments, die für „normale" Gäste perfekt sind, scheitern bei Crews oft an Details, die niemand sonst je bemerken würde.
Was eine Crew wirklich braucht
Spätankunft. Eine Crew kommt nie um 14 Uhr an. Sie kommt um 22:30 nach einem zwölfstündigen Drehtag in Berlin, mit drei Equipment-Cases und dem festen Wunsch, sofort ins Bett zu fallen. Wer hier mit Schlüsselbox und „Bitte vor 20 Uhr ankommen"-Regeln operiert, ist raus.
Equipment-Platz. Eine Standard-Crew reist mit 6-15 Kg pro Person zusätzlich. Lichttechnik, Tonaufnahmen, Kostüme. Ein Apartment mit Aufzug ist Pflicht. Eine ebenerdige Schwelle hilfreich. Ein leerer Schrank für die Cases, Gold wert.
Verlängerung. Drehs verlängern sich. Immer. Eine Crew, die für drei Wochen angereist ist, bleibt in 60% der Fälle vier. Wer für eine zehnte Buchung pro Apartment keine Flexibilität hat, verliert die Crew an einen, der sie hat.
Wäsche. Crews waschen viel. Drehkleidung, Bettwäsche, Handtücher. Eine Waschmaschine im Apartment, nicht im Haus, ist wichtig. Trockner noch besser. Und genug Steckdosen, denn Equipment lädt parallel.
Was eine Crew wirklich will, ist nicht spektakulär. Es ist Zuverlässigkeit. Das Apartment funktioniert, der Vermieter ist erreichbar, das WLAN ist schnell genug für File-Uploads. Alles andere ist nett, aber sekundär.
Was uns Crews gelehrt haben und was wir geändert haben
Drei Dinge haben wir wegen Crews konkret an unseren Apartments verbessert.
1. Schnelles Internet. Eine 250 Mbit/s-Leitung ist die Untergrenze. Crews laden Tagesmaterial hoch, manchmal 50-100 GB pro Tag. Wer hier nicht liefert, hat die Crew nach zwei Tagen im Café gegenüber sitzen.
2. Großer Esstisch. Crews arbeiten abends weiter. Skript-Besprechungen, Tagesrecap, Equipment-Check. Ein Esstisch für sechs Personen, an dem alle gleichzeitig sitzen können, ist wichtiger als ein dritter Sessel im Wohnzimmer.
3. Schlüsselübergabe auch nach 22 Uhr. Wir nehmen das ernst. Auch sonntags, auch wenn der ICE aus München zwei Stunden Verspätung hat. Für die neuen Westbahnhof-Studios, die wir gerade bauen, ist genau das das zentrale Argument.
Wie wir mit Produktionen arbeiten
Produktionen brauchen andere Vertragsmodalitäten als Privatpersonen. Sammelrechnung auf das Produktionsunternehmen, UStID-Verarbeitung, manchmal NDA. Wir machen das.
Für größere Crews reservieren wir mehrere Apartments im selben Haus, drei Schlafzimmer hier, ein Studio nebenan, ein One-Bedroom oben. Dann hat der Kameramann seine Ruhe, die Maskenbildnerin ihren Schminktisch, und die ganze Crew trifft sich abends in der größten Wohnung zum Brief.
Beim ersten Mal lieber zu konservativ planen. Bei jeder weiteren Anfrage kennen wir eure Bedürfnisse besser und können enger optimieren. Stammkunden bekommen ihre Lieblings-Wohnung reserviert, bevor sie offiziell anfragen.
Wer in Wien gedreht hat und was wir gelernt haben
Wir nennen keine Namen, Diskretion ist Teil des Deals. Aber ein paar Themen sind gemeinsam.
Internationale Produktionen unterschätzen die Wiener Wege. Ein Drehort in Hietzing und einer in Floridsdorf ist eine Stunde mit der U-Bahn. Wer zentral wohnt, spart Crew-Zeit (und damit Crew-Kosten). Augarten ist hier praktisch, U2 zur Innenstadt, Tram 2 zum Karmeliterplatz, Donaukanal-Radweg in 5 Minuten.
Wien hat sehr unterschiedliches Licht. Sommer-Drehs mit Sonnenuntergang nach 21 Uhr sind anders als Winter-Drehs mit Tageslicht-Ende um 16 Uhr. Plant entsprechend, wir helfen mit lokaler Erfahrung.
Wer regelmäßig in Wien dreht, kennt zwei, drei Apartments und behält sie. Das ist effizient, weil weniger Setup-Zeit. Wir merken uns Vorlieben (Decke harter Matratze, Espresso-Maschine ja/nein, Vorhang dunkel oder licht).
Was wir nicht können (ehrlich)
Wir haben keine Hotelinfrastruktur. Wenn ihr Catering, Production-Office-Space oder eine 24/7-Rezeption braucht, sind wir die falschen.
Wir haben keine direkten Drehlocation-Vermittlungen. Wir kennen Wien, wir kennen aber keine Castingagenturen oder Locationscouts. Da empfehlen wir lieber Partner:innen.
Und wir können keine Crews unter 30 Tagen nehmen. Das ist hart, wenn ihr nur für zehn Drehtage da seid aber unser ganzes Konzept ist auf Aufenthalte ab einem Monat ausgelegt.
Wenn ihr in Wien dreht und länger als 30 Tage bleibt
Schreibt uns. Auch wenn der Dreh noch nicht steht, eine Anfrage „wir kommen wahrscheinlich im November für vier Wochen, was habt ihr verfügbar" hilft uns, Apartments zu reservieren, bevor andere zugreifen. Antwortzeit innerhalb von 24 Stunden, auch am Wochenende.